Geschichte der Musikschule Kanngießer

Herrmann Kanngießer als 2. Klarinettist in der Werkskapelle Georgsmarienhütte 1907 (weiße Markierung, Bildmitte)

Hermann Kanngießer, der Gründer der Musikschule in Brackwede wurde 1886 geboren. Er studierte Klarinette als Hauptfach, aber auch Klavier und Violine. Nach seinem Examen fuhr er auf dem deutschen Passagierdampfer "Ems" als Bordmusiker. Im vorletzten Jahrhunderts kam er nach Georgsmarienhütte. Hermann Kanngießer arbeitete dort bei einem einem großen Eisen- und Stahlwerk als Kalkulator und spielte in der Werkskapelle als Klarinettist.
Als dieses Orchester ein Konzert auf einem Schloss gab, lernte er dort seine spätere Frau kennen. 1903 heirateten sie. 1904 wurde Tochter Klärchen und ein Jahr später Tochter Erika geboren.

Familienfoto der Familie Kanngießer

Auf den Rat seines Studienkollegen Ignaz Adler, der in Brackwede einen Chor leitete,
zog die Familie 1909 nach Brackwede. Als erstes unterrichtete er das Instrument Konzertzitter, sein Ziel war es aber ein großes Orchester zu gründen, darum suchte er Violinschüler. Im Jahre 1910 wurde das Musikhaus Kanngießer gegründet, um die Schüler und Chöre besser mit Noten und Instrumenten versorgen zu können.

Akkordeonorchester Brackwede

Hermann Kanngießer leitete Chöre in Brackwede, Bielefeld, Gadderbaum, Senne, Ummeln und Quelle. 1917, mitten im Krieg, konnte die Familie dann das Haus an der Hauptstraße 117 kaufen, wo bis heute noch die Musikschule ansässig ist. Nach dem Krieg begannen dann, gemeinsam mit anderen Musikern aus Brackwede, die Vorbereitungen zur Gründung des Orchesters. 1922 wurde Arno Kanngießer geboren.  Neben den studierten Fächern unterrichtete Herrmann Kanngießer auch Gitarre, Waldzither, und Akkordeon. Da das Akkordeon Arno Kanngießer gut gefiel, stand bald ein kleines Akkordeon unter dem Weihnachtsbaum worauf er dann auch Unterricht erhielt.
Durch einen Zufall erfuhr Arno Kanngießer später das es in Trossingen eine Hochschule gab bei der er Akkordeon studieren konnte. Im Mai 1939 legte er dort seine Prüfung als Mund- und Handharmonikalehrer ab.  Nach dem Krieg begann Arno Kanngießer wieder Musikunterricht zu erteilen. Von seinem Vater übernahm er Schüler. Auch wurden Schüler für diatonische Harmonika und Chromonika angenommen.

Das Akkordeonorchester in der Oetkerhalle, Oktober 1961

Im  April  1947 wurde das erste Brackweder Akkordeonorchester mit 13 Spielern gegründet. In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte sich das Orchester, man fuhr zu Wertungsspielen, große Konzerte wurden gegeben und Rundfunkaufnahmen gemacht. Ein Spieler der gegründeten Mundharmonikagruppe war auch ein sehr guter Gitarrist und wurde der erste Gitarrenlehrer an der Musikschule.
Bald wurde auch ein Gitarrenchor gegründet, den Arno Kanngießer zuerst selbst geleitet hatte. Heute wird er von der Gitarrenlehrerin Nicole Schipplick, die auch an der selbst Musikschule gelernt hat, mit viel Engagement geleite. 

Marianne Kanngießer am Akkordeon

1953 lernte Arno Kanngießer bei einem Wertungsspielen die Akkordeonlehrerin und Dirigentin Marianne Warnken kennen, die dann später seine Frau wurde.
In den folgenden Jahren wurden viele Konzerte, auch in sozialen Einrichtungen, mit den verschiedensten Ensembles gegeben.

Zu der Zeit waren nun fünf Akkordeonlehrer, drei Gitarrenlehrer, zwei  Klavierlehrer und je ein Gesangs- und Orgellehrer tätig. Wegen der Nachfrage wurde Blockflötenunterricht neben der Melodica als zweites Instrument im Elementarbereich angeboten zu dem auch Übungen und Gehörbildung gehörten. Im Jahr 1961 starben innerhalb einer Woche Klara- und Herrmann Kanngießer. Im Juli 1965 wurde Sohn Jörg geboren. 1969 begann Marianne Kanngießer als Erste in der näheren und weiteren Umgebung mit der „Musikalischen Früherziehung“ – Musikunterricht für Kinder ab 4 Jahren. 1984 wurde das ersten Mal die „Weihnachtsgeschichte“ von Carl Orff ins Westfälische übersetzt und von der Musikschule aufgeführt.
Jörg Kanngießer lernte nach der musikalischen Früherziehung Melodica, Blockflöte und andere Instrumente, entschied sich dann für die Blockflöte und nach seinem Studium als Lehrer an der Schule zu unterrichten.

Jörg Kanngießer und sein Flötenchor, 2004

Nach 60 jähriger musikalischer Tätigkeit wurde die Leitung der Musikschule von Arno Kanngießer an Jörg Kanngießer übergeben. Das Akkordeonorchester wird immer noch als kleines Ensemble einer früheren Spielerin, Margret Butzner, geleitet.

 

Im Jahr 2005 verstarb Marianne Kanngießer, die gute Seele des Hauses.

 

Im Jahr 2011 verstarb Arno Kanngießer im hohen Alter von 89 Jahren.

Nachwort aus der Biographie von Arno Kanngießer:

"Wer an unserer Schule das Musizieren lernt, soll vor allem Freude daran haben. Das Erlernen der Technik ist zwar auch wichtig, steht aber nur an zweiter Stelle. Mein Vater hat seinen Beruf auch so gesehen.
Neben meinem Vater, meinem Sohn Jörg, meiner Nichte Ingrid, sowie meiner Frau und mir, die alle in Brackwede wirkten und noch wirken, gibt es noch zwei Ableger der Familie Kanngießer, die außerhalb von Brackwede musikalisch tätig waren: Brunhilde, meine Tochter aus erster Ehe, hat in Bremen Querflöte und Klavier gelernt und hat bis vor einigen Jahren am Bremer Gymnasium als Musiklehrerin gearbeitet. In dem gleichen Beruf war mein Neffe Hartmut Kampmann, jüngster Sohn meiner ältesten Schwester bis 2007 im Süden Deutschlands, in Leutkirch, in der Nähe des Bodensees, tätig.

Der „Musikschule Kanngießer“ wünsche ich eine erfolgreiche Weiterentwicklung und viel Erfolg bei den Jubiläumskonzerten."

 

Arno Kanngießer